Am 24. Bundesliga-Spieltag stellen sich viele BVB-Fans nur noch eine Frage: Gelingt nach der Gala gegen Union Berlin (6:0) nun die endgültige Wende? Dafür muss sich Borussia Dortmund auch beim FC St. Pauli (1. März, 15.30 Uhr) beweisen.
Wie wird St. Pauli den BVB stoppen wollen? Vor allem Serhou Guirassy ist aktuell in einer starken Form. DER WESTEN hat mit Johannes Eggestein gesprochen und gefragt, wie der Kiez-Klub für eine Überraschung sorgen will. Der Stürmer packt zudem aus, zu einem Vorteil werden könnte.
St. Pauli – BVB: Sorge vor nächster Machtdemonstration?
Nach dem 6:0-Sieg des BVB gegen Union Berlin ist es DAS Thema in der Bundesliga. Schließlich wollen alle Fußballfans wissen, ob Dortmund auch gegen St. Pauli so befreit spielen wird und die Trendwende schaffen kann.
Die Hamburger befinden sich aktuell aber auch in einer Krise. Die letzten drei Spiele wurden alle verloren. Gelingt jetzt ausgerechnet gegen den Revierklub der große Befreiungsschlag?
DER WESTEN: Hallo Johannes, das war ja ne Machtdemonstration des BVB gegen Union Berlin. Wie groß ist die Sorge, dass die Dortmunder sich jetzt auch gegen euch den Frust von der Seele schießen werden?
Johannes Eggestein: Wir haben Dortmunds Spiel gegen Union Berlin natürlich vor allem aus taktischer Sicht verfolgt. Mit Niko Kovac hat der BVB einen neuen Trainer und dadurch hat sich auch der eine oder andere Ansatz im Gegensatz zum Hinspiel gegen uns verändert. Wenn wir unseren Job gut machen, gut verteidigen, kompakt stehen und auch immer wieder in Ballbesitzphasen gute Kombinationen kreieren, dann können wir gegen jeden Gegner gefährlich sein und auch den BVB vor Probleme stellen. Das haben wir in dieser Saison oft unter Beweis gestellt – gerade auch gegen die Top-Mannschaften. Deshalb sind wir trotz des hohen Sieges von Dortmund in der vergangenen Woche zuversichtlich.
Du hast die knappe Niederlage im Signal-Iduna-Park angesprochen. Jetzt ist der BVB bei euch zu Gast. Wie wollt ihr die erhoffte Trendwende der Dortmunder stoppen? Wollt ihr genauso rangehen wie im Hinspiel?
Das kann ich natürlich nicht im Detail verraten, aber am Millerntor zu spielen, ist nochmal was anderes. Das sind dann noch mal ein bisschen andere Vorzeichen. Auch dadurch, dass Dortmund jetzt in einer anderen Situation mit einem neuen Trainer ist, verändert sich die Ausgangslage natürlich.
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Wenn wir es schaffen, unser Spiel durchzukriegen, wird es für Dortmund wieder sehr schwer, gegen uns ein Tor zu erzielen. Wir wissen, dass wir dann auch wieder in den Umschaltbewegungen und mit dem Ball gefährliche Chancen kreieren können.
SO soll Guirassy gestoppt werden
Gleichzeitig könnte man aber auch sagen, dass der BVB für euch vielleicht zu einem optimalen Zeitpunkt kommt und bei euch endlich mal der Knoten auch in der Offensive platzen könnte. Wie willst du deinen Beitrag dazu leisten? Machst du dir Gedanken, wie es endlich wieder klappen kann?
Klar macht man sich Gedanken, wie man wieder zum Torerfolg kommen kann, wenn man als Mannschaft drei Spiele auf einen Treffer wartet. Das Spiel gegen Freiburg war allgemein vom Offensivspiel her relativ dünn. Das haben wir auch offen angesprochen, dass wir wieder mehr Akzente nach vorne brauchen, mehr Kombinationsfußball, auch Umschaltsituationen, um dann zu mehr gefährlichen Abschlüssen zu kommen. Das haben wir dann gegen Mainz schon wieder viel besser gemacht.
Da muss man auch einfach sagen, dass wir dann ein sehr unglückliches Gegentor bekommen. Zumindest hatten wir wieder einige Großchancen. Ich bin sehr optimistisch, dass wenn der erste Treffer bald fällt, weitere werden folgen. Da kommt vielleicht ein Heimspiel gegen Dortmund gelegen, bei dem du ein Stück weit weniger Druck hast, weil der BVB der Favorit ist. Die müssen definitiv punkten, um den Anschluss nach oben zu finden. Wir werden ein bisschen befreiter aufspielen und hoffen, dass wir wieder die nötigen Tore machen können.
Wie wichtig wird das Millerntor am Samstag vor euch? Eine heiße Atmosphäre kann eine Mannschaft speziell gegen einen Favoriten ja beflügeln.
Ja, absolut. Ich spiele am liebsten am Millerntor, so kann man es auf jeden Fall sagen. Ich genieße die Atmosphäre, die Unterstützung unserer Fans ist großartig. Man kennt hier jeden Zentimeter und das gibt einem immer einen kleinen gedanklichen Vorsprung. Leider waren wir in dieser Saison am Millerntor noch nicht so erfolgreich, wie wir es uns gewünscht hätten. Gegen Dortmund wollen wir die drei Punkte einfahren, um dann auch unsere Heimstärke unter Beweis zu stellen. Ähnlich wie in den vergangenen Jahren sollen die Mannschaften zu uns ans Millerntor kommen und denken: ,Boah, das wird ein richtig ekliges Auswärtsspiel.‘
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Habt ihr schon eine Lösung gefunden, wie ihr Serhou Guirassy stoppen wollt?
Uns zeichnet aus, dass wir eine sehr kompakte Mannschaft sind, die schwer zu bespielen ist. Wenn wir die Räume eng halten und in der Box eine gute Mannorientierung haben, wird es auch Guirassy schwerfallen, in diesen Situationen seine Chancen zu suchen und Tore zu erzielen. Das wird wieder unser Ziel sein. Wir sind gut beraten, unser Spiel so wie in den letzten Wochen weiter durchzuziehen.
Man muss aber auch sagen, dass Guirassy gegen Union Berlin zwar vier Tore gemacht hat, aber auch einige andere Spieler dazu beigetragen haben. Das darf man nicht vergessen. Wenn ein Spieler so viele Tore schießt, richtet sich natürlich der Fokus auf ihn, aber da sind noch mehr gute Spieler im Team. Deswegen macht es für uns Sinn, kompakt und als Einheit zu verteidigen.
Euer Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz ist durch die Ergebnisse der vergangenen Wochen dementsprechend auch geschrumpft. Habt ihr Angst, wieder ganz unten reinzurutschen?
Nein, Angst haben wir nicht. In der Mannschaft, aber auch im Umfeld und im ganzen Verein ist das Ziel von Anfang an klar definiert, dass es gegen den Abstieg gehen wird. Und auch wenn wir zwischenzeitlich ein paar Punkte Vorsprung hatten, war uns trotzdem bewusst, dass das eine knifflige Aufgabe wird und wir weiterhin schwere Spiele vor der Brust haben, wo es nicht selbstverständlich ist, dass man punktet.
In den vergangenen Spielen hatten wir immer wieder sehr gute Phasen, haben aber oft durch unglückliche Gegentore verloren, auch weil die individuelle Qualität beim Gegner in der Bundesliga sehr hoch ist. Wir sind auf jeden Fall gewarnt und uns ist klar, dass der aktuelle Vorsprung definitiv nicht reichen wird. Das ist jedem bewusst und deswegen wird auch keine Angst aufkommen. Allen ist klar, dass wir unser Spiel bis zum Saisonende durchziehen müssen, um unser Ziel, den Klassenerhalt, zu realisieren.