In Argentinien brodelt es: Rentner gehen landesweit auf die Straße, um gegen die drastischen Reformen des neu gewählten Präsidenten Javier Milei zu protestieren. Vor allem die Kürzungen im Rentensystem stoßen auf heftigen Widerstand. Unterstützt werden die Senioren ausgerechnet von rivalisierenden Fußballfans, die sich sonst eher auf den Tribünen als auf Demonstrationen begegnen. Die ungewöhnliche Allianz zeigt: Mileis Politik hat die Gesellschaft tief gespalten.
Die Stimmung auf den Straßen ist angespannt. Vor dem Kongressgebäude in Buenos Aires kommt es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die mit Tränengas gegen die Protestierenden vorgeht. Zahlreiche Demonstranten werden festgenommen, doch der Protest ebbt nicht ab. „Wie könnte ich die Rentner nicht verteidigen?“, zitiert ein Fan den 2020 verstorbenen Nationalhelden und Fußballlegende Diego Maradona und fügt hinzu: „Man müsste ein echter Feigling sein, um die Rentner nicht zu verteidigen.“ Das berichtet das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.
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Milei feiert Erfolg – Bürger hegen Zweifel
Parallel zu den Protesten verkündet die Regierung stolz einen Rückgang der Armutsquote von 52,9 % auf 38,1 % im zweiten Halbjahr 2024. Präsident Milei sieht darin den Erfolg seiner wirtschaftlichen Schocktherapie bestätigt, so das ZDF, und spricht von einer dringend benötigten Wende in der argentinischen Wirtschaftspolitik. Doch während die offiziellen Zahlen positiv klingen, bleibt die Realität auf der Straße eine andere. Das berichtet der Spiegel.
Experten werfen der Regierung laut „Tagesschau“ vor, die Zahlen schöngerechnet zu haben. Während die Armutsquote auf dem Papier sinkt, berichten viele Menschen von weiterhin steigenden Lebenshaltungskosten und gekürzten Sozialleistungen. Insbesondere die Rentner, die besonders stark von den Einschnitten betroffen sind, fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen.
Spaltung der Gesellschaft und wachsende Unsicherheit
Während die Regierung die sinkende Inflation und den Haushaltsausgleich als Beweis ihrer erfolgreichen Politik anführt, wächst die Unzufriedenheit in breiten Teilen der Bevölkerung. Besonders ältere Menschen und sozial Schwache befürchten, durch die neoliberalen Reformen endgültig an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden.
Die Proteste gegen die Rentenkürzungen könnten dabei nur die Spitze des Eisbergs sein. Immer mehr Bürger sehen sich mit den Konsequenzen der Reformen konfrontiert und fürchten um ihre Existenz. Selbst innerhalb der politischen Lager von Milei gibt es inzwischen kritische Stimmen, die einen sozialen Ausgleich fordern.
Die kommenden Wochen dürften entscheidend sein: Setzt die Regierung weiter auf harte Reformen, oder lenkt Präsident Milei angesichts des wachsenden Widerstands ein? Die Spaltung des Landes scheint jedenfalls tiefer als je zuvor – und ein Ende der Proteste ist nicht in Sicht.