Es ist noch keine alte Tradition, doch für die Schalke-Fans fühlte es sich sofort richtig an. Seit dieser Saison hat der FC Schalke 04 ein neues Heimspiel-Ritual. Oder vielmehr: hatte.
Der selbsternannte „Kumpel- und Malocherklub“ schwört auf seine enge Verbindung zur Bergbau-Geschichte des Ruhrgebiets. Nun aber hat der FC Schalke 04 einem noch jungen Heimspiel-Brauch den Stecker gezogen – im wahrsten Sinne des Wortes.
FC Schalke 04: Aus für Seilfahrt-Glocke
Schalke und der Bergbau, das ist seit jeher eine enge Verbindung. Und die trägt der S04 auch nach außen. Der Bergmanns-Hammer ist im Wappen verewigt, vor jedem Heimspiel läuft das Steigerlied, nach Toren rufen Stadionsprecher und Fans „Glück auf“, der Spielertunnel hat den Anstrich eines Stollens – nur einige von vielen Hommagen an die große Vergangenheit des Ruhrgebiets.
+++ FC Schalke 04: van Wonderen-Plan enthüllt – ist DAS sein letzter Ausweg? +++
Zur neuen Saison kam eine weitere hinzu. Der auf Schalke vielen bekannte Bergmann Klaus Herzmanatus läutete seit dem Auftakt-Spiel gegen Eintracht Braunschweig (5:1) in der Schalke-Arena eine Seilfahrtglocke. Eine neue Tradition, für die er von den S04-Fans überwältigende positive Resonanzen erfuhr.
Schalke-Verantwortliche ziehen Glocke den Stecker
Die Glocke, auch Schachtsignalanlage genannt, kündigte im Bergbau eine Seilfahrt an. Verschiedene Schläge warnten unten im Schacht wie oben zutage die Kumpel, dass sich der „Aufzug“ in Bewegung setzt und diente so zur Verständigung mit den Arbeitern in der Tiefe.

Bei einem Test der elektrischen Anlagen im Stadion, so berichtet Herzmanatus, hatte es vor dem Münster-Heimspiel (1:0) ein technisches Problem mit der Seilfahrtglocke gegeben. Das wurde schnell gelöst. Dennoch wurde der 63-Jährige anschließend vom Verein mit vollendeten Tatsachen überrumpelt: Der FC Schalke 04 zieht der Glocke den Stecker.
„Wir sind kein x-beliebiger Verein“
„Verantwortliche haben entschieden, das mit der Glocke bis Saisonende nicht mehr zu machen. Ob man es danach wieder aufleben lässt, steht in den Sternen“, gibt sich der Ur-Schalker im Gespräch mit dieser Redaktion enttäuscht. Eine richtige Begründung für diese Entscheidung lieferte der Klub dem Urheber des Rituals nicht. Und auch eine Anfrage von DER WESTEN ließ der Verein unbeantwortet.
Mehr News:
Als er das Aus des Rituals auf Facebook verkündete, gaben sich unzählige Fans des FC Schalke 04 schwer enttäuscht. Auch Herzmanatus selbst trifft es hart. „Die Tradition und die Verbindung zum Bergbau sind mir sehr wichtig. Wir sind kein x-beliebiger Verein. Die Aktion wurde gut angenommen, hatte auch nach außen eine tolle Botschaft. Man sollte sie wieder aufnehmen.“