Auch nach dem letzten Öffnungstag am 12. März sorgt die Equitana in Essen noch für Unmut bei vielen Besuchern. Schon während der Messe hatten Hunderte Pferde-Fans in den sozialen Medien ihrem Ärger Luft gemacht. Zentrale Kritikpunkte waren die erstmalig personalisierten Tickets und stundenlange Wartezeiten am Einlass. Nun erreichten unsere Redaktion mehrere Leser-Zuschriften.
So auch die von Dana W. Sie zieht für sich ein bitteres Fazit. In ihrer E-Mail an DER WESTEN schreibt die Equitana-Besucherin: „Die Messe wirbt als ,Weltleitmesse des Pferdesports‘ mit einer einzigartigen Atmosphäre, hochkarätigen Shows und einem vielfältigen Shopping-Angebot. Die Realität sah jedoch leider anders aus.“
Equitana in Essen: Weniger Shopping Bags und Sekt in Plastikbechern
Als „besonders enttäuschend“ empfand Dana W. den „Late Night Shopping“-Tag am Dienstag, 11. März. Ihre Kritik, die sie mit Screenshots der Equitana-Webseite belegt: „Im Vorfeld wurde online ein besonderes Angebot beworben: Für einen Aufpreis von 7 Euro sollten die ersten 500 Besucher eine Shopping Bag im Wert von 150 Euro erhalten. Viele Besucher – mich eingeschlossen – haben dieses Angebot wahrgenommen. Vor Ort stellte sich dann jedoch heraus, dass die Anzahl der Taschen kurzfristig auf 100 reduziert wurde, ohne vorherige Ankündigung. Eine faire und transparente Kommunikation? Fehlanzeige.“
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Auf Nachfrage von DER WESTEN nimmt Equitana-Pressesprecher Christian Reiß zu dem Thema wie folgt Stellung: „Insgesamt standen für die Besucher 500 Shopping Bags bereit. Der Warenwert, der ausgegeben wurde, entsprach bei den ersten 100 Goody Bags einem Warenwert von je 150 Euro. Weitere 400 Überraschungsboxen enthielten Produkte im Warenwert von über 40 Euro pro Stück – weit höher als die 7 Euro Aufpreis. Die Stückzahl wurde also nicht, wie beschrieben, ,kurzfristig auf 100 reduziert‘. Dass das Kontingent auf 500 Stück begrenzt ist, hatten wir von Anfang an kommuniziert. Es waren ausreichend Boxen für die berechtigten Besucher verfügbar – die letzte wurde um 18 Uhr ausgegeben.“
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Sekt in Plastikbechern
Für den Aufpreis sollten die Besucher der Equitana in Essen aber nicht nur die Shopping Bag erhalten, sondern – laut Ankündigung – auch „ein prickelndes Glas Sekt zur Begrüßung“. Wie dies dann tatsächlich aussah, hat die Besucherin mit einem Foto dokumentiert. Dazu erklärt sie: „Der versprochene Begrüßungssekt wurde zwar ausgeschenkt, allerdings in Plastikbechern und in einer separaten Schlange, ohne Möglichkeit, sich gemütlich hinzusetzen. Das widersprach der beworbenen exklusiven Atmosphäre.“

DER WESTEN hat den Veranstalter der Equitana in Essen, das Unternehmen RX Deutschland GmbH, am 12. März um eine Stellungnahme zu der Kritik gebeten. Eine Antwort steht bisher aus.
Besucherin beklagt fehlende Taschen- und Personenkontrollen
Unterdessen schildert Dana W. in ihrer Leser-Zuschrift weitere Ungereimtheiten. So habe die Messe laut offizieller Kommunikation täglich von 10 bis 18,30 Uhr, am „Late Night Shopping“-Tag von 12 bis 22 Uhr geöffnet sein sollen. „Dennoch standen am Dienstag bereits Hunderte Besucher um 10 Uhr vor den Toren, da das Ticket unklar formuliert war“, meint Dana W. Die Organisation habe sich „völlig überfordert“ gezeigt. Als kleine Wiedergutmachung hätten sich die Wartenden ein kostenloses Heiß- oder Kaltgetränk holen können. Zusätzlich, so berichtet es die Besucherin, habe man einigen Frauen aus der ersten Reihe „Backstage-Zugang zu den Pferden“ versprochen – allerdings nur unter der Bedingung, dass sie es niemandem weitersagen. „Eine unfaire und fragwürdige Entschädigung für die schlechte Kommunikation“, findet Dana W.
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Dazu erläutert Equitana-Sprecher Christian Reiß gegenüber DER WESTEN: „Der Shoppingtag der Equitana wurde sehr gut angenommen. Allerdings hätten wir hier die Öffnungszeiten an die Besucher und Ticketinhaber deutlich klarer kommunizieren sollen. Wir bedauern, wenn dadurch Besucher längere Wartezeiten in Kauf nehmen mussten.“
Equitana in Essen – Sprecher: „Schwachstellen analysieren und verbessern“
Besonders beunruhigt habe Dana W. jedoch das Thema Sicherheit: „Es fanden keinerlei Taschen- oder Personenkontrollen statt! Trotz des großen Besucheransturms wurden weder Rucksäcke noch Taschen überprüft, was in der heutigen Zeit absolut unverantwortlich ist.“ Zu diesem Aspekt äußerte sich der Equitana-Sprecher nicht.
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Für sie persönlich, so resümiert die Besucherin, sei die Equitana in Essen in diesem Jahr „eine herbe Enttäuschung“ gewesen. Als langjährige Besucherin der international bekannten Pferde-Messe hatte sie sich eigentlich auf ein gut organisiertes Event gefreut. „Eine Veranstaltung dieser Größenordnung sollte professionell und sicher ablaufen, doch hier zeigte sich leider das Gegenteil. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen diese Kritik ernst nehmen und in Zukunft für eine bessere Planung und transparente Kommunikation sorgen.“
Gegenüber DER WESTEN erklärt Equitana-Sprecher Reiß: „Wir bedauern, wenn es durch eine unklare Kommunikation zu Missverständnissen gekommen ist oder Besucher negative Erfahrungen gemacht haben. Das entspricht nicht unserem Anspruch, und wir arbeiten bereits daran, Schwachstellen zu analysieren und zu verbessern.“ Ungeachtet dessen sei die Equitana in Essen weiterhin eine erfolgreiche Messe. So habe sich die Zahl der Aussteller seit 2022 von 476 auf zuletzt 598 erhöht.